Zwölf Monate – Zwölf Namen: Anton Fliegerbauer

Unter dem Titel „Zwölf Monate – Zwölf Namen“ stellen wir 2022 jeden Monat ein Opfer des Olympia-Attentates 1972 vor. Im Februar gedenken wir dem Polizisten Anton Fliegerbauer. Aufgewachsen in Niederbayern, lebte er mit Ehefrau Maria und dem gemeinsamen Sohn Alfred in München. Er starb im Dienst als Städtischer Polizeiobermeister Münchens auf dem Fliegerhorst Fürstenfeldbruck bei dem Versuch die israelischen Geiseln zu befreien.
Anton Fliegerbauer, 1972, Foto: © privat

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Anton Fliegerbauer wird am 5. März 1940 in Westerndorf in Niederbayern geboren. Er ist der Sohn von Franziska Fliegerbauer, geb. Schönhofer und Anton Fliegerbauer. Auf dem elterlichen Bauernhof in Westerndorf wächst er mit seinen beiden Geschwistern auf. Nach Beendigung der Volksschule besucht er die Landwirtschaftliche Berufsschule Pilsting und ist ab da im elterlichen Betrieb und bei anderen Landwirten beschäftigt. 1958 bemüht er sich um eine Einstellung als Polizeibeamtenanwärter bei der Bayrischen Bereitschaftspolizei und wird bei der Polizei Landshut aufgenommen; 1960 wird er zum Polizeiwachtmeister ernannt.

Beim Tanzen lernt er Maria Theresia Schmidbauer kennen und verlobt sich mit ihr im Juli 1964. Im September des gleichen Jahrs beantragt Fliegerbauer seine Versetzung nach München, um gemeinsam in Maria Theresias Wohnung in München-Sendling zu leben. Im Gesuch schildert er, welch großen Teil seines Gehaltes ein junger Polizist für die Miete in Landshut ausgeben muss, selbst für die günstigste. Seiner Versetzung wird stattgegeben und Fliegerbauer zum Polizeihauptwachmeister in München ernannt.

Schwarzweiß-Foto Braut und Bräutigam
Hochzeitsfoto Maria und Anton Fliegerbauer, 1966, Foto: © privat

Das Paar heiratet am 12. Februar 1966. Ein Jahr später wird Anton Fliegerbauer zum Beamten ernannt und am 5. April 1968 wird der gemeinsame Sohn Alfred geboren. Im September 1970 enttarnt Fliegerbauer einen Drogenkurier und stellt ihn, wofür er eine Belobigung für “besondere Verdienste bei der Bekämpfung der Straßenkriminalität“ erhält.

Der 5. September ist sein erster Urlaubstag und er will mit seiner Familie nach Niederbayern fahren. Er hat sich erst vor drei Tagen im Dienst bei einer Demonstration Prellungen und eine Sehnenzerrung am linken Fuß zugezogen. Am Morgen wird er dennoch von seinen Vorgesetzten angerufen und aufgrund der Geiselnahme israelischer Delegationsmitglieder im Olympischen Dorf zum Dienst gerufen.

Fliegerbauer ist ein hervorragender Schütze und wird daher direkt am Fliegerhorst Fürstenfeldbruck eingesetzt, wo sich die Attentäter mit den israelischen Geiseln verschanzt haben. Er ist wie seine Kolleg_innen bei der Polizei nicht zur Terrorbekämpfung ausgebildet. Beim nächtlichen Schusswechsel wird Fliegerbauer tödlich getroffen. Sein Tod wird als Dienstunfall anerkannt und ihm wird eine staatliche Trauerfeier am 8. September 1972 gewidmet.

Marie Fliegerbauer erfährt am Morgen des 6. September, dass ihr Mann im Gefecht erschossen wurde. Die Witwe ist zu diesem Zeitpunkt schwanger, verliert ihr Kind jedoch wenige Monate später. Ihrem Sohn erzählt sie lange, der Vater sei im Krankenhaus.

Text: Angela Libal, Sarah Steinborn; Recherche: Piritta Kleiner, Kuratorin des Erinnerungsortes Olympia-Attentat München 1972, Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus

ZWÖLF MONATE – ZWÖLF NAMEN
50 Jahre Olympia-Attentat München

50 Jahre nach den Olympischen Spielen in München soll 2022 ganzjährig an das Olympia-Attentat am 5.-6. September 1972 erinnert werden. Jeden Monat steht dabei ein Opfer im Mittelpunkt des Gedenkens. Es sind verschiedene Interventionen im öffentlichen Raum geplant, von Installationen, die den ganzen Monat über zu sehen sein werden, bis hin zu eintägigen Aktionen.

Konzipiert und koordiniert wird das Erinnerungsprojekt vom Jüdischen Museum München und vom NS-Dokumentationszentrum München in Zusammenarbeit mit dem Generalkonsulat des Staates Israel. Die Umsetzung wird mit Kooperationspartnern wie dem Amerikahaus, dem Landkreis Fürstenfeldbruck, dem Deutschen Theater, der Polizeihochschule Fürstenfeldbruck und dem Polizeipräsidium München sowie weiteren Kultur- und Bildungseinrichtungen und anderen Interessierten erfolgen.

Februar

Fassadenprojektion zum Gedenken an Anton Fliegerbauer, Polizeipräsidium München, Foto: Daniel Schvarcz

Das Polizeipräsidium München und der Fachbereich Polizei der Hochschule für öffentlichen Dienst in Bayern in Fürstenfeldbruck werden im Februar an Anton Fliegerbauer erinnern. Auf das Gebäude des Polizeipräsidiums in der Ettstraße 2 in München wird ab dem 10. Februar ein Foto von Anton Fliegerbauer projiziert. Am 22. Februar veranstaltet die Polizeihochschule Fürstenfeldbruck einen Gedenkabend. Das Programm sieht unter anderem eine Ansprache von Zeitzeugen, einen historischen Abriss der Geschehnisse sowie einen Vortrag zu den polizeilichen Lehren aus dem Olympia-Attentat vor. Weitere Informationen zum Vortrag hier.

Die Veranstaltungen finden in Kooperation mit dem Historischen Verein Fürstenfeldbruck und dem NS-Dokumentationszentrum München statt. Weitere Informationen auf unserer Website.

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