Yalla: Texte in Leichter Sprache

Wort·erklärungen

1. Stock

Yalla. Arabisch-jüdische Begegnungen

In Nord-Afrika und West-Asien leben seit langer Zeit Juden und Jüdinnen.
Dort leben sie zusammen mit anderen Bevölkerungs-Gruppen.
Auch arabischen Menschen.
Ihre gemeinsame Geschichte ist sehr unterschiedlich.
Es ist eine Geschichte von Nähe und Nachbarschaft.
Aber auch eine Geschichte von Ausgrenzung und Gewalt.

Über Jahrhunderte entstanden gemeinsame Sprachen.
Gemeinsame Musik.
Und eine gemeinsame Art zu denken.

Viele Juden und Jüdinnen flohen im 20. Jahrhundert nach Israel.
Dort nennt man sie Misrachim.
Das bedeutet: Jüdinnen und Juden aus arabisch geprägten Ländern.
Also zum Beispiel aus diesen Ländern: Ägypten, Irak, Libanon und Marokko.
In Israel wurde ihre Geschichte lange nicht erzählt.
Erst später wurde sie sichtbarer.

Diese Ausstellung fragt nach dem Selbst-Verständnis von Menschen.
Wer bin ich?
Woher komme ich?
Sie zeigt Kunst von 7 Künstler*innen mit jüdisch-arabischer Herkunft.
Ihre Arbeiten erzählen von:
Erinnerung.
Verlust.
Zugehörigkeit.

Die Ausstellung macht deutlich:
Die Vergangenheit wirkt bis heute.

Es gibt Texte in Leichter Sprache.
Dafür bitte den QR-Code mit dem Handy scannen.

Eliyahu Fatal_/ Eli Petel

Eliyahu Fatal ist Künstler.
Eli Petel ist sein Künstler·name.

Er wurde 1974 in Jerusalem geboren.
Er lebt und arbeitet in Tel Aviv-Jaffa.
Tel Aviv-Jaffa ist eine Stadt in Israel.

Die Familie von Eli Petels Mutter sind sephardische Juden und Jüdinnen.
Die Familien·mitglieder leben jetzt in Hebron und in Jerusalem.

Die Familie von Eli Petels Vater stammt aus dem Irak.

Eli Petel verbindet in seiner Kunst viele verschiedene Formen:
Malerei, Skulptur, Ton, Video und Druck·techniken.

In seiner Kunst beschäftigt sich Eli Petel mit Geschichte.
Mit der Geschichte Israels.

Wie nehmen Menschen aus Europa und Amerika das Land Israel wahr?
Und die Menschen, die dort leben?
Was denken sie über das Leben in Israel?

Das sind die Kunstwerke von Eliyahu Fatal / Eli Petel:

Humus

Stein·zeug, Ölfarbe
2001–2003

Humus ist in vielen Ländern sehr beliebt.
Vor allem in West·asien und Nord·afrika.
Dort kommt Humus her.
Jetzt essen Menschen auf der ganzen Welt Humus.
Was verändert das?

Essen hat eine Geschichte.
Eine Kultur.

Für den Künstler entstehen durch Humus verschiedene Fragen.
Zu Kultur und Politik:
Wem gehört dieses Essen?

Um alle diese Themen geht es in der Arbeit von Eliyahu Fatal.
Der Künstler hat einen Humus·teller aus Öl-farbe gemacht.
Das Kunst·werk hat 2 Jahre zum Trocknen gebraucht.

Der Humus·teller sieht aus wie Essen.
Aber es ist kein Essen.
Sondern ein Kunst·werk.
Durch das Kunst·werk kommen Menschen ins Gespräch.
Über Essen.
Und über die Kultur und Geschichte von Essen.
Über Humus.
Und darüber, wo er am leckersten schmeckt.

Nine in the Dark

Aluminium, Papier, Karton, Industrie·farbe
2009

Nine in the Dark ist Englisch.
So spricht man es aus: Nein in de Dark.
Übersetzt heißt es: 9 im Dunkeln.

Nine in the Dark ist eine Raum·installation aus Metall und Papier.
Skulpturen aus Metall sind im Ausstellungs·raum verteilt.

Warum kommt die Zahl 9 im Namen des Kunst·werks vor?

Es gibt unterschiedliche Kalender.
Viele Menschen in Deutschland benutzen den Gregorianischen Kalender.

Im Judentum wird auch noch ein weiterer Kalender benutzt:
Der Jüdische Kalender.

Im Gregorianischen Kalender haben wir zur Zeit das Jahr 2026.
Im jüdischen Kalender das Jahr 5786.
Dieses Kunst·werk ist zwischen 2 Jahren entstanden:
Am Ende des Jahres 5770 im Jüdischen Kalender.
Im Übergang zum Jahr 2009 im Gregorianischen Kalender.

Die Zahl 9 heißt auf hebräisch Tesha.
So sieht das Wort in hebräischer Schrift aus: תש״ע.
Die Zahl 9 ist der Ausgangs·punkt für das Kunst·werk von Eliyahu Fatal.
Er hat Skulpturen aus Papier gefaltet.
Diese Skulpturen wurden vergrößert.
Und sie wurden auf Metall über·tragen.
Es sind 9 Skulpturen.
Außerdem sind Talismane im Raum.

Das Kunst·werk verbindet Vorstellungen aus verschiedenen Kulturen und Glaubens·richtugnen.
Es ist eine Begegnung von Zeit und Raum.
Aber es geht auch um die Buchstaben von dem Satz „Nine in the Dark“.
Um ihre Form.
Auch diese Form kann eine Skulptur sein.

Palette

Druck, Gips, Gold mit Farb·steinen
2001–2003

Die Arbeit von Eliyahu Fatal heißt Palette.
Sie besteht aus 2 Teilen:
Aus einem Foto und einer Skulptur.

Das Foto wurde gedruckt.
Eigentlich für eine Ausstellungs·werbung.
Dazu kommt eine Skulptur aus Gips.
Es ist die Skulptur einer behaarten Männer·brust.
Es ist die Brust des Künstlers.

Auf beiden Kunst·werken sehen wir:
Eine Brust mit Haaren.
Auf der Brust liegt eine Hals·kette.
Die Kette ist Gold und hat einen Anhänger.
Der Anhänger sieht aus wie eine Farb·palette.
Der Anhänger ist ein Zeichen.
Für Kunst·tradition in Europa.
Die behaarte Brust steht im Gegensatz dazu.
Sie ist ein Symbol für eine Art von Männlichkeit.
Also für eine Vorstellung davon, wie Männer sein sollen.

Diese beiden Teile des Kunst·werks stehen sich gegen·über.
Es geht um Gegen·sätze.
Den Gegen·satz zwischen Körper und Geist.
Zwischen Westen und Orient.

Außerdem stellt das Kunstwerk die Frage:
Was ist männlich und was nicht?
Welche Vor·urteile hat die Gesellschaft in Israel?

Eliyahu Fatal hat sich hier mit dem Leben und dem Alltag jüdischer Menschen beschäftigt.
Mit der Geschichte seiner Familie.
Und mit den Beziehungen zwischen Israel und anderen Ländern der WANA-Region.

Negative Portrait

Druck, gerahmt
2002

Die Arbeit zeigt ein Selbst·porträt von Eliyahu Fatal.
Das Porträt ist ein Negativ·abzug.
Das bedeutet: Hell und dunkel sind auf diesem Bild vertauscht.
Haare, Bart und Schatten sind auf Fotos eigentlich dunkel.
Hier sind sie hell.
Das Gesicht ist auf Fotos meistens hell.
Hier ist es dunkel.
Trotzdem wirken die Farben auf diesem Bild natürlich.
Das hat der Künstler mit weißer Farbe geschafft.
Die Arbeit stellt die Frage nach Identität.
Also danach, wer wir sind.
Was echt ist.
Und was wir machen, um „natürlich“ zu wirken.

Dana Flora Levy

Dana Flora Levy wurde in Tel Aviv-Jaffa geboren.
Tel Aviv-Jaffa ist eine Stadt in Israel.

Dana Flora Levy ist Künstlerin und Filme·macherin.
Sie lebt und arbeitet in New York und Tel Aviv-Jaffa.

Dana Flora Levys Lebens·geschichte hat einen starken Einfluss auf ihre Kunst.
Ihre Eltern kommen aus Ägypten und Deutschland.
Sie selbst ist in verschiedenen Ländern aufgewachsen:

  • in den USA
  • in Groß·britannien und
  • in Israel.

In ihrem Leben gibt es also vielen verschiedene Sprachen.
Verschiedenen Kulturen.
Und verschiedene Erinnerungen.
Und alles das ist auch Teil ihrer Kunst.

Dana Flora Levy macht verschiedene Arten von Kunst:

In ihrer Kunst benutzt Dana Flora Levy verschiedene Materialien.
Materialien, die Geschichten erzählen.
Zum Beispiel Briefe, Familien·fotos oder alte Bücher.

Dana Flora Levy beschäftigt sich mit dem Thema Migration.
Mit Hilfe ihrer Kunst untersucht sie:
Wie verändert Migration die Geschichte der Menschen?

Was macht das mit ihnen?

Wo und wie fühlen Menschen, dass sie dazu·gehören?
Man kann auch sagen:
Wo fühlen sie Zugehörigkeit?

Das sind die Kunstwerke von Dana Flora Levy:

This Was Home

Video, circa 17 Minuten
2016

This Was Home ist Englisch.
So spricht man den Titel aus:
Dis Wos Houm.
Übersetzt heißt es: Das war mein Zuhause.
Dana Flora Levy folgt den Spuren ihrer eigenen Familien·geschichte.
Sie beschäftigt sich mit der Geschichte ihrer Eltern und Groß·eltern.
Zusammen mit ihrem Groß·vater reist Dana Flora Levy nach Polen.
In die Stadt Sosnowiec.
Dort hat ihr Groß·vater gelebt.
Bevor er von den Nazis verschleppt wurde.
Er wurde in ein Konzentrations·lager gebracht.
Dana Flora Levys Vater reist nach langer Zeit wieder nach Kairo.
Dort hat er als Kind gelebt.
Und Dana Flora Levy selbst reist zurück nach Atlanta in den USA.
Dort hat sie als Kind gelebt.
In dem Video geht es um diese 3 Reisen:

  • Um die Rückkehr.
  • Um eine Suche.
  • Und um Begegnung.

Alles ist mit·einander verbunden.
Es geht um persönliche Erinnerungen.
Und um große Veränderungen in der Geschichte.

Eine Straße war früher vertraut.
Jetzt erscheint sie fremd.
Die Häuser scheinen Geschichten zu erzählen.
Geschichten von dem, was war.
Oder Geschichten von dem, was hätte sein können.

Fatherland Archives

Video, 26 Min.
2025

Fatherland Archives ist Englisch.
So spricht man es aus: Faser·länd Ar·keifs.
Übersetzt heißt es: Archive des Vaterlandes.
Dana Flora Levy hat nach Informationen und Spuren gesucht.
Nach Spuren der ägyptisch-jüdischen Geschichte.
Dana Flora Levy zeigt Fund·stücke aus ihrer Familie.
Und Schriften aus der Kairoer Geniza.
Durch die Sammlung der Texte entsteht eine Geschichte.
Sie vermischt sich mit unwirklichen Bildern.
In dem Film kriechen Wüsten·tiere über Bücher und Texte.
Das steht für Dauer und Veränderung der Geschichte.
Die Geschichte wiederholt sich.
Und gleichzeitig ist sie immer wieder neu.
Im Film ist Musik zu hören.
Die Musik ist von Dana Flora Levys Vater und seinen Geschwistern.
Sie singen Lieder der ägyptischen Sängerin Umm Kulthum.
Und jüdische Gebets·gesänge.
Die Gebets·gesänge hat Dana Flora Levys Groß·vater geschrieben.

Lightbox Collages

6 Leucht·kästen, Farbe, Film·streifen, farbiges Glas, Papiere
2025

Lightbox Collages ist Englisch.
So spricht man es aus: Leit·box Kollaschs.
Übersetzt heißt es: Collagen in einem Leucht·kasten.
Ältere Familien·mitglieder haben Dana Flora Levy von ihrem Leben erzählt.
Von ihrem Leben als Juden und Jüd*innen in Ägypten.
Dana Flora Levy verwandelt ihre Erinnerungen und Geschichten in Bilder.
In den Bildern verbindet sie private Fotos und Bilder aus Archiven.
Den Bildern sieht man ihr Alter an: Sie haben Kratzer und Spuren.
Das ist Teil des Kunst·werks.
Diese Spuren machen die Geschichte sichtbar.

Zu sehen sind sechs kleine Boxen, die an der Wand befestigt sind. Die Boxen leuchten hell und zeigen verschiedene Fotos z.B. von Tieren oder Landschaften.

Hori Izhaki

Hori Izhaki wurde 1986 in Tel Aviv-Jaffa geboren.
Tel Aviv-Jaffa ist eine Stadt in Israel.
Sie lebt und arbeitet in Berlin.
Ihre Familie kommt aus Marokko und dem Irak.

Hori Izhaki ist eine multi·disziplinäre Künstlerin.
Das bedeutet:
In ihrer Arbeit mischt sie verschiedene Arten von Kunst.
Zum Beispiel diese:

Die Künstlerin untersucht in ihren Arbeiten:

  • Wie entsteht Identität?
    Also: Wie werden wir zu der Person, die wir sind?
  • Und: Wie erinnern wir uns?

Dabei schaut Hori Izhaki auf 3 Dinge:

  • persönliche Erfahrungen
  • gemeinsame Erinnerungen einer Gruppe
  • gemeinsame Gewohnheiten von Menschen wie Feste oder Regeln

Hori Izhaki zeigt:
Diese Dinge be·einflussen sich gegen·seitig.

Besonders wichtig sind ihr in ihrer Arbeit auch diese Themen:

  • Wie gehen Menschen mit schlimmen Erlebnissen und Verletzungen um?
  • Wie denken und sprechen wir über Körper?

In ihrer Kunst verbindet Hori Izhaki Natur, Technik und Bild·sprache.

Das sind die Kunstwerke von Hori Izhaki:

ETZA – To Plant a Memory

Nadel·baum, Lack, Tannen·zapfen
2023

Etz ist das hebräische Wort für Baum.
So sieht es in hebräischen Buchstaben aus: עֵץ.
Aber das Wort hat noch eine zweite Bedeutung.
Wenn die weibliche Endung ah dazu kommt.
Dann heißt es Etza.
Und bedeutet Ratschlag.

Die Künstlerin Hori Izhaki hat einen Baum mit Krone und Wurzeln gefunden.
In einem Wald in Österreich.
Frauen kommen von verschiedenen Orten.
Sie tragen zusammen einen Baum.
Einen Baum als Kunst·projekt.

Im Mittel·punkt vom Kunstwerk schwebt ein Baum über einem Streifen aus Tannen·zapfen.
Die Künstlerin hat ihn weiß angemalt.
Der Raum riecht nach Tannen·zapfen.

Ab 1901 wurden in Palästina und Israel viele Bäume gepflanzt.
Es waren zum Beispiel Kiefern.
Kiefern sind Nadel·bäume.
Sie wachsen schnell.
Das Ziel war damals: Das Land soll grüner und bewohnbar werden.
Es soll dort weniger Wüste geben.

Kiefern wachsen eigentlich nicht in Israel und Palästina.
Die Natur dort ist nicht geeignet für diese Art der Bepflanzung.
Die Bäume haben andere Pflanzen verdrängt.

Auf dem Foto ist ein weißer Baumstumpf zu sehen, der an Metallstäben in der Luft hängt. Unter dem Baum liegen Pinienzapfen.

The one who knows, knows and the one who doesn’t know, a handful of lentils

Video mit Ton, 17 Minuten
2025

Der Titel des Videos ist: The one who knows, knows and the one who doesn’t know, a handful of lentils.
Das ist Englisch und heißt übersetzt: Wer weiß, weiß – und wer nicht weiß, eine Hand·voll Linsen.
Damit will Hori Izhaki zeigen: Es gibt verborgene Bedeutungen hinter dem Alltäglichem.

Im Raum schwebt ein Baum.
Dahinter werden 5 Videos gezeigt.
Die Geschichten in den Videos werden nicht-linear erzählt.
Das bedeutet: Die Bilder und Erinnerungen werden in keiner festen Reihen·folge erzählt.

Die Videos mischen persönliche Erinnerungen, Familien·geschichte der Künstlerin und allgemeine Fragen zu Heimat und Herkunft.
Die Bilder greifen in·einander.
Sie über·lagern sich.

Die Bilder wechseln.
Mal sind es Landschaften in Europa.
Mal Landschaften in Israel.
Die Bilder verschieben immer wieder Ort, Zeit und Blick·winkel.
Durch das Video kann man erfahren: Erinnerungen verändern sich immer wieder.
Das eigene Ich verändert sich immer wieder.

Auf dem Foto ist ein langer, weißer Baumstumpf zu sehen, der an Metallstäben in der Luft hängt. Unter dem Baum liegen Pinienzapfen. Hinter dem Baum hängen große Bildschirme, auf denen Naturszenen und Text zu sehen ist.

Ana

Messing·buchstaben, ein Fenster, eine Pflanze, Wasser·behälter aus Glas
2023

„Ana“ ist das arabische Wort für „ich“.

In die Wand ist ein Fenster eingelassen.
Es nimmt eine Form aus der arabischen Architektur auf.
Messing·buchstaben zeigen das arabische Wort für Ich.
Daran befestigt sind 2 Wasser·gefäße.
Darin wächst eine Pflanze.
Der lateinische Name der Pflanze ist Tradescantia zebrina.
In Europa wurde die Pflanze lange „Wandernder Jude“ genannt.
Heute wird dieser Name nicht mehr benutzt.
Weil er antisemitisch ist.
Das Kunst·werk besteht also aus verschiedenen Teilen:

  • das Fenster aus der arabischen Architektur
  • das Wort „Ich“
  • die Pflanze

Mit der Zeit werden alle 3 Teile als Einheit wahr·genommen.
Das Kunst·werk zeigt: Es gibt enge Verbindungen zwischen der jüdischen, der arabischen und der europäischen Kultur.
Früher waren diese Verbindungen sichtbarer als heute.

Auf dem Foto ist ein Ausschnitt der Ausstellung zu sehen. Rechts ist eine eingeschobene Wand zu sehen. Eine Pflanze ist auf Metallstäben in einer U-Form befestigt. Der Hintergrund des Kunstwerks hebt sich von der weißen Wand ab, es sieht aus wie ein großes Fenster aus Zement. Links vom Kunstwerk ist Text zu sehen.

Nie Widder

Sieben Palmen·blätter auf Plexi·glas, Dattel·kerne, Lack
2023

7 gehörnte Figuren scheinen den Raum zu stürmen.
Erst bei näherem Hinsehen erkennt man: Die „Hörner“ sind weiß bemalte Palmen·blätter.
Daran läuft getrocknete weiße Farbe herunter.

Dieses Kunst·werk erinnert an eine Geschichte aus der Hebräischen Bibel.
Was passiert in dieser Geschichte?

Gott stellt Abraham auf die Probe.
Er fordert: Abraham soll seinen Sohn Isaak opfern.
Er soll seinen Sohn töten.
Abraham geht mit Isaak auf einen Berg.
Er bereitet alles für das Opfer vor.
Er ist kurz davor, seinen Sohn zu töten.
Dann kommt ein Wende·punkt.
Gott greift ein.
Ein Engel stoppt Abraham.
Gott sagt: Jetzt ist klar, dass Abraham ihm vertraut.
Abraham soll seinen Sohn nicht töten.
Es soll statt·dessen einen Widder opfern.
Also ein männliches Schaf.

In diesem Kunst·werk verbindet sich diese Geschichte mit der Familien·geschichte der Künstlerin.

Das Kunst·werk heißt Nie Widder.
Der Titel erinnert an die deutsche Rede·wendung Nie wieder.
Viele Menschen benutzen diese Rede·wendung.
Sie wollen damit sagen: Die Verbrechen der Nazi·zeit dürfen sich nicht wieder·holen.
Wir alle haben die Verantwortung dafür.
Das Kunst·werk lenkt den Blick auf ein weiteres Problem: Das Ersatz·opfer.
Das Kunst·werk stellt die Fragen: Kann es eine Welt ohne Gewalt und Opfer geben?
Sodass kein Leben mehr gegen ein anderes Leben eingetauscht werden muss?

Auf dem Foto sind weiße milchige Glasplatten zu sehen, die auf verschiedenen Ebenen von der Decke hängen. Auf den Platten sind Palmblätter in der Form von Hörnern befestigt. Am unteren Teil sind sie mit weißer Farbe bestrichen. Die Farbe ist in Linien auf den Glasplatten heruntergelaufen, was gut zu erkennen ist.

Blood

Haar, Plexi·glas
2023

Hori Izhaki wurde in Israel geboren.
Heute lebt sie in Europa.
Und sie erlebt: Sie muss sich immer wieder erklären.
Die meisten Menschen glauben auf den ersten Blick: Sie ist „Araberin“.
Das löst oft Vor·urteile aus.
Dann sagt sie, dass sie aus Israel kommt.
Das verändert die Reaktion der Menschen auf sie wieder.

In dieser Arbeit geht es um Haare.
Und die Bedeutung von Haaren als Objekt im Museum.

Während der Schoa hatten Haare eine besondere Bedeutung.
Die Nazis behandelten viele Menschen nicht mehr wie Menschen.
Zum Beispiel Juden und Jüdinnen in Konzentrations·lagern.
Die Nazis haben ihnen die Haare ab·rasiert.

Durch das Ab-rasieren der Haare wollten sie Jüdinnen und Juden die Persönlichkeit nehmen.

Die Haare von Hori Izhaki bekommen als Teil einer Ausstellung in einem jüdischen Museum eine andere Bedeutung.
Es ist ein persönliches Zeichen von Hori Izhaki.
Und ein politisches Zeichen.
So werden die Haare Teil dieses Erinnerungs·raums.

Ein Haufen brauner Haare ist auf einer durchsichtigen Glasplatte zu sehen. Sie liegen offen ohne Abdeckung. Im Hintergrund sind Glasplatten und Palmblätter in Form von Hörnern zu sehen.

Skin

Wüsten·sand, Plexi·glas
2023

Skin ist Englisch.
Übersetzt heißt es: Haut.

Das Kunst·werk bestet aus einem Kilo Wüsten·sand.
Der Sand kommt aus der Negev-Wüste.

Mit ihrer nassen Hand formt Hori Izhaki einen Abdruck im Sand.

Durch Wasser verändert sich der Sand.
Der Boden wird hart.
Fast so hart wie Stein.

Das Foto zeigt die Nahaufnahme einer schmalen Vitrine mit Sand darin. Auf dem Stand liegt eine handgroße feste Konsistenz.

Das Läuten der Nadeln

Nadeln von Koniferen auf einem Faden
2023/2025

Eine Konifere ist ein Nadel·baum.
Für dieses Kunst·werk hat Hori Izhaki Nadeln von Koniferen auf einen Faden aufgefädelt.
Das Kunst·werk erinnert an ein Gedicht.
An das Gedicht „Nadeln“.
Die israelische Dichterin Leah Goldberg hat es geschrieben.
Die Nadeln stehen hier für eine Landschaft.
Für Erinnerung.
Und dafür, sich zu Hause zu fühlen.

Eine Sache ist wichtig in der Kunst von Hori Izhaki:
Das Spiel von Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit.

Das Kunst·werk erzeugt Bilder.
Mal sehen die Besucher*innen die Nadeln klar und deutlich.
Dann sind sie fast verschwunden.
Aber die Besucher*innen sehen ihre Schatten.
So entstehen immer neue Bilder.
Manche davon sind vertraut.
Andere wirken fremd.

Vor einer weißen Wand sind dünne Fäden gespannt. Darauf hängen Nadeln von einem Baum. Durch das Licht entsteht ein Schattenspiel auf der Wand.

2. Stock

Tamir Zadok

Tamir Zadok wurde 1979 in Holon geboren.
Er lebt und arbeitet in Tel Aviv-Jaffa.
Beide Städte liegen in Israel.

Tamir Zadok ist Künstler.
Er macht verschiedene Arten von Kunst:

Tamir Zadok stellt Bilder aus den Medien in den Mittel·punkt seiner Kunst.
Also Bilder aus dem Fernsehen.
Aus dem Internet.
Oder aus Zeitungen.

Erzählen diese Bilder die Wahrheit?
Was erzählen sie von wichtigen Ereignissen?
Auf welche Art kommen Menschen über Bilder ins Gespräch?
Wie sprechen sie mit·einander über Politik und über unser Zusammen·leben?

Tamir Zadok ist selbst Fotograf.
Und er untersucht:
Bilden Fotos die Wirklichkeit ab?
Welche Erinnerungen lösen Bilder aus?
Können Bilder ein Beweis sein?
Oder beeinflussen sie uns und unsere Meinung?

Auf vielen der Bilder geht es um Macht.
Wie zeigt sich Macht in Bildern?

Das sind die Kunstwerke von Tamir Zadok:

Art Undercover

Video, 27 Min.
2017

Art Undercover ist Englisch.
So spricht man es aus: Art ander·kawer.
Übersetzt heißt es etwa: Kunst im Verborgenen.

Art Undercover ist ein Film.
Der Film bewegt sich zwischen Kunst, echten Situationen und einer ausgedachten Geschichte.
Er erzählt die Geschichte eines Agenten des Geheim·diensts.
Die Geschichte spielt in den 1950er Jahren.
Also in einer Zeit vor mehr als 70 Jahren.

Der Agent lebt im Verborgenen.
Niemand darf von seiner Arbeit für den Geheim·dienst wissen.
Darum gibt er sich als französischer Maler aus.
Das klappt sehr gut.
So gut, dass er seine Kunstwerke in Ausstellungen zeigen kann.
Und das ägyptische National·museum kauft seine Kunst·werke.

Tamir Zadok erzählt die Geschichte des Agenten.
Er holt sie in die Jetzt·zeit.
Und er wird selbst zum „Kunst·spion“.
Im Film begibt er sich auf eine Suche.
Es geht um Kunst.
Und um Tarnung.
Also um ein Leben im Verborgenen.
Was macht das mit einem Menschen?

Der Film zeigt:
Kunst, Politik und Geheim·haltung können eng mit·einander verbunden sein.
Wer ist Künstler?
Wer ist Beobachter?
Wer ist Agent?
Und wie nehmen wir uns selbst in verschiedenen Rollen wahr?

Auf dem Foto ist ein Ausschnitt aus der Ausstellung zu sehen. Links ist auf einer Wand ein großes Beamer Bild, das einen Film zeigt. In der Sequenz ist ein schwarzhaariger Mann mit dichtem Bart auf dem Rücksitz eines Autos zu sehen. Vor dem Bild steht eine Bank. Rechts von der Filmszene sind an einer Wand mittig mehrere Bilder in rechteckigen Bilderrahmen zu sehen.

The Man in the Suit

Fotografien
2017

The Man in the Suit ist Englisch.
So spricht man es aus: De Män in de Sjut.
Übersetzt heißt es: Der Mann im Anzug.

The Man in the Suit ist eine Reihe von Fotos.
Sie sind bei der Arbeit am Video Art Undercover entstanden.

Wer ist die Figur im Anzug?
Der Künstler?
Der Agent?
Die Rolle?

Der Film erzählt eine Geschichte.
Und die Fotos zeigen noch mal Einzel·bilder aus dem Film.
So kann man noch mal genauer nachdenken über Themen wie:

Wer bin ich?
Wie wird man zu der Person, die man ist?
Wie kann ich mich tarnen?
Wie denken andere über mich?

Tamir Zadok bewegt sich zwischen Wirklichkeit und einer ausgedachten Geschichte.
Er mischt in seinen Kunst·werken oft beides mit·einander.
An diesem Kunst·werk kann man sehen:
Fotos bilden nicht die Wirklichkeit ab.
Sie erzählen eine Geschichte.
Diese Geschichte kann wahr sein – oder nicht.

Auf dem Foto sind vier schwarze Bilderrahmen auf einer weißen Wand zu sehen. Auf den Fotos erkennt man Personen in einer städtischen Szenerie.

Jewish Wedding in Marocco

Video, 2:15 Minuten
2014

Das Video heißt Jewish Wedding in Morocco.
Das ist Englisch und heißt übersetzt: Jüdische Hochzeit in Marokko.
So spricht man den Titel aus: Dschu·isch Wedding in Morokko.

Es gibt ein Gemälde mit diesem Titel.
Der Maler Eugène Delacroix hat es gemalt.
Es ist ein wichtiges Bild in der Kunst·geschichte.
Es zeigt wie aus Europa auf „den Orient“ geschaut wird.

Tamir Zadok lässt das Bild durch sein Video lebendig werden.
Und er spielt auch selbst in dem Video mit.

Das Bild verändert sich im Video.
Figuren verschwinden.
Der festliche Rahmen löst sich auf.

Tamir Zadok beschäftigt sich mit alten Vorstellungen vom „Orient“.

Er fragt: Welche Bilder haben wir über „den Orient“ im Kopf?
Und über die Menschen, die dort leben?

Auf dem Foto ist ein großer Bildschirm zu sehen. Darauf wird ein Gemälde gezeigt. Es zeigt eine Szene im "Orient" im Hof eines Gebäudes. Ein Musiker sitzt und spielt ein Saiteninstrument, eine Frau tanzt. Viele Personen stehen oder sitzen um sie herum und betrachten die Szene. Einige der Personen sind nicht gemalt sondern echte Personen.

Dor Zlehka-Levy

Dor Zlekha-Levy wurde 1990 in Tel Aviv-Jaffa geboren.
Tel Aviv-Jaffa ist eine Stadt in Israel.
Er lebt und arbeitet in Israel.
Er ist ein multi·medialer Künstler.

Multi·medial bedeutet:
Dor Zlekha-Levy macht viele verschiedene Arten von Kunst.
Und er benutzt unterschiedliche Materialen dafür.
Er macht:

Die Ausstellung YALLA zeigt 3 Arbeiten von Dor Zlekha-Levy.
In diesen Arbeiten geht es um die Geschichte arabischer Juden und Jüdinnen.
Er macht ihre Stimmen hör·bar.
Er erzählt ihre Erinnerungen.
Denn lange wurden ihre Geschichten nicht erzählt.

Das sind die Kunstwerke von Dor Zlehka-Levy:

Omek-Umk

Klang·installation mit Laut·sprechern, Lied auf Hebräisch und Arabisch, 6:13 Minuten, stündlich, im Treppen·haus des Museums
2021

עֹמֶק ist Hebräisch.
عُمْق ist Arabisch.
Übersetzt heißt es: Tiefe der Sprache.
Das Kunstwerk von Dor Zlehka-Levy ist eine Klang·installation.
Im Mittelpunkt steht ein Liebes·lied.
Das Liebes·lied wurde in 2 Sprachen geschrieben:
Auf Hebräisch und Arabisch.
Das Lied bringt arabische Musik und jüdische Gesänge zusammen.

Dor Zlehka-Levy hat das Lied aufgenommen.
Dann hat er 2 Ton·spuren voneinander getrennt.
Er hat den Klang künstlerisch bearbeitet.

So entsteht Spannung zwischen den beiden Ton·spuren.
Die Musik bewegt sich zwischen Nähe und Abstand.
Sie spielt mit Sprache.
Und ist so für die Besucher*innen eine besondere Erfahrung.

Welche Bedeutung haben Klang und Sprache?
Was haben sie mit Kultur zu tun?
Mit Identität?
Also mit der Frage danach, wer ich bin.
Wie prägt sie unsere Erinnerungen?
Und wann gibt sie uns das Gefühl, dazu·zu·gehören?

Auf dem Foto ist das Treppenhaus des Jüdischen Museums zu sehen. Vorne im Bild ist ein Lautsprecher in Richtung der Treppe angebracht.

Shomer

Video und Gespräche, 8:32 Minuten
2019

Dor Zlekha-Levys Video heißt Shomer.
Shomer ist hebräisch.
Übersetzt heißt es Wächter oder Beschützer.
In dem Video geht es um die Geschichte der Magen-Abraham-Synagoge in Beirut.

Beirut ist die Haupt·stadt des Libanon.

Die Magen-Abraham-Synagoge wurde 1925 gebaut.
Sie wurde im Krieg zerstört und später wieder aufgebaut.

Dor Zlehka-Levy zeigt in seinem Kunst·werk ein Interview mit einem Mann.
Der Mann wurde in Beirut geboren.
Später ist er nach Israel ausgewandert.
In dem Interview erzählt er von seinen Erinnerungen als Kind an die Synagoge.

Er ist 1982 als israelischer Soldat im Krieg zurück nach Beirut gekommen.
Er erzählt auch von seinen Erinnerungen an die zerstörte Synagoge.
Im Video zeigt Dor Zlekha-Levy das Gebäude von außen und innen.
Er hat Erinnerungs·bilder des Mannes oder Interviewten neu zusammen·gesetzt.
Damit die Erinnerungen an die Synagoge erhalten bleiben.
Die Besucher*innen bewegen sich mit Kopf·hörern durch den Raum.
So können sie das Gespräch hören.
Und gleichzeitig können sie Bilder der Synagoge sehen.
So kann man die Synagoge auf eine ganz eigene Art erleben.
Man reist durch die Zeit zurück. Und wieder zurück ins Jetzt.

Auf dem Foto ist ein Raum der Ausstellung zu sehen. Links hängt ein Bildschirm, auf dem ein Herr mit Glatze in Hemd zu sehen ist. Rechts hinter im werden auf zwei Wände Videos einer Synagoge gezeigt.

Maqamat

Video und Musik, 14:28 Minuten
2017

Das Video heißt Maqamat.
Der Name kommt vom Wort Maqam.
Maqam ist eine Folge von Tönen.
So wie eine Ton·leiter.
Eine Folge von Tönen und Melodien.
Sie kann immer wieder unterschiedlich klingen.
Maqam kommt aus der arabischen Musik.
Mit diesen Tönen kann man viele verschiedene Gefühle und Stimmungen aus·drücken.

Die Arbeit von Dor Zlekha-Levy besteht aus 3 einzelnen Videos mit Musik.
Für dieses Kunst·werk hat Dor Zlekha-Levy mit einem anderen Künstler zusammengearbeitet.
Mit dem Musiker Aviad Zinemanas.
Zusammen haben sich die beiden Künstler mit arabisch-jüdischer Musik beschäftigt.

Maqam ist eine Folge von Tönen.
Aber für Dor Zlehka-Levy ist Maqam noch mehr:
Für ihn ist es ein Ort.
Ein Ort, an dem vieles zusammen·kommt:
Menschen.
Geschichten.
Wende·punkte.
Erinnerungen.
Und Kulturen.

Hinter einem geöffneten Vorhang sitzt eine Frau auf einer Bank und schaut auf eine Beamer Installation an der Wand. Es ist ein großes Mandala. Rechts auf dem Bildschirm hinter der Frau sind Palmen von einer anderen Video Installation zu sehen.

Joseph Sassoon Semah

Joseph Sassoon Semah wurde 1948 in Bagdad geboren.
Bagdad ist die Haupt·stadt des Iraks.

Joseph Sassoon Semah ist Künstler.
Er ist der Enkel von Rabbiner Sassoon Kadoori.

Rabbiner Sassoon Kadoori war eine wichtige Person im Irak.

Ab 1950 wächst Joseph Sassoon Semah in Israel auf.
Ab Mitte der 1970er-Jahre in London, Berlin und Paris.
Seit 1981 lebt und arbeitet er in Amsterdam.

Joseph Sassoon Semah macht viele verschiedene Arten von Kunst:

Joseph Sassoon Semah stellt die Frage nach der Identität.
Also: Wer bin ich?
Und wie bin ich zu dieser Person geworden?
Welche Rolle spielt meine Heimat in meinem Leben?
Vor allem dann, wenn ich meine Heimat verlassen muss?
Wo fühle ich mich zu Hause?
Wo gehöre ich dazu?
Und welche Erinnerungen sammele ich? Durch seine Kunst will Joseph Sassoon Semah Verborgenes sichtbar machen.

Das sind die Kunstwerke von Joseph Sassoon Semah:

GilGul ShaTlaCh Carpet (Reincarnation) Rolling

Bagdad / Jerusalem / Amsterdam
Teppich, Gebets·schal, Leder·band
1983

Gilgul ist das hebräische Wort für „rollen“.
So sieht das Wort in hebräischen Buchstaben aus: גלגול.
Das Wort hat 2 Bedeutungen: Es kann „rollen“ bedeuten.
Oder „Wieder·geburt“.

Das Kunst·werk besteht aus 2 Teilen: Aus einem Teppich und einem jüdischen Gebets·schal.
Der Teppich wurde von Hand hergestellt.
Und er ist mit Mustern verziert.
Diese Teppiche liegen oft in Moscheen.

Joseph Sassoon Semah hat einen solchen Teppich mit einem jüdischen Gebets·schal zusammen·gerollt.
So bringt er verschiedene Kulturen und Religionen in Beziehung.
Keiner der beiden Stoffe ist wichtiger als der andere.
Beide sind sichtbar.
Beide sind in Verbindung.
Für Joseph Sassoon Semah ist die Verbindung der beiden Stoffe politisch.

Das Kunst·werk fordert die Betrachter*innen heraus.
Sie brauchen dafür ihre Vorstellungs·kraft.

Auf dem Foto sind zwei Stühle, die zueinander gerichtet sind, zu sehen. Zwischen ihnen ist einige Meter Platz. Ein langer bunter Teppich liegt auf den beiden Stühlen und verbindet sie so. Um den Teppich ist ein weiß-schwarzer Gebetsschal gewickelt.

Between Graveyard and Museum’s Sphere

The modification of Architectural Forms is the only way left to come closer to the Gates of Eden
Bronze, Oud, Schofar (Widderhorn)
2021

Between Graveyard and Museum’s Sphere ist Englisch.
Übersetzt heißt es etwa: Zwischen Friedhof und Museums·welt.

Das Kunst·werk erinnert an das Grab des Propheten Ezechiel in Al Kifl.
Das Grab ist im Irak.
Ezechiel lebte dort vor sehr langer Zeit.
Er ist im Judentum ein wichtiger Prophet.
Auch im Islam wird Ezechiel als Prophet verehrt.

Sein Grab wurde lange von Menschen besucht.
Von Juden und Jüdinnen und von Muslim*innen.
Es ist ein Heiligtum.
Es zeigt: In diesem Gebiet haben Menschen mit verschiedenem Glauben zusammen·gelebt.

Das Kunst·werk verbindet „Friedhof“ und „Museum“.
Es geht zu gleichen Teilen um Verlust und Bewahrung.
Also um Tod und Erinnerung.
Es zeigt: Auch in der Religion sind Elemente aus der arabischen und der jüdischen Kultur verbunden.

Das Heiligtum wird hier in ein Kunst·werk übertragen.
Es erinnert also an das Grab und an die Vergangenheit.
Aber es wird auch ins Jetzt übertragen.
Es schafft einen neuen Raum für Erinnerung und Geschichten.

Auf dem Bild ist ein Metallobjekt, das auf dem Boden liegt, zu sehen. Der rechte Teil sieht aus wie eine Torte mit mehreren kleiner werdenden Ebenen. Obendrauf steckt ein Musikinstrument und ein Widderhorn.

Between Graveyard and Museum’s Sphere

Bronze, 10 Schofarot (Widder·hörner)
2019

Between Graveyard and Museum’s Sphere ist Englisch.
Übersetzt heißt es etwa: Zwischen Friedhof und Museums·welt.

Diese Arbeit erinnert an die Meir Tweig Synagoge in Bagdad.

Bagdad ist die Haupt·stadt des Iraks.
Dort wurde die Synagoge 1942 eingeweiht.

Später wurde die Synagoge zu einer Tasqit-Stelle.
Hier mussten sich Jüdinnen und Juden registrieren.
Das bedeutet: Sie mussten sich hier anmelden und eintragen lassen.
Dann waren sie nicht mehr länger Bürger*innen des Iraks.
Sie wurden gezwungen den Irak zu verlassen.
Aber sie durften nach Israel aus·wandern.

Das war eine große Veränderung in ihren Leben.
Für das Kunst·werk hat Joseph Sassoon Semah Schofarot verwendet.
Also Widder·hörner.
Sie stehen für Erinnerung, aber auch für den Ruf nach Neuem.

Die Widder·hörner sind nicht nur Schmuck.
Sondern sie stehen auch für die jüdische Religion.
Sie werden bei jüdischen Festen als Blas·instrument benutzt.

Zwischen „Friedhof“ und „Museum“ bringt das Kunst·werk verschiedene Themen zusammen: Tod und Erinnerung.
Es fragt danach:
Wie können Traditionen weitergeführt werden?
Aber wie können sie auch ins Jetzt geholt werden?

Auf dem Foto ist ein Ausschnitt der Ausstellung zu sehen. Vor einer großen weißen Wand mit Textfeldern liegen Metallobjekte auf dem Boden. Das rechte Objekt sieht aus wie eine Truhe. Daran sind mehrere Hörner befestigt. Links im Bild sind zwei weitere Kunstwerke des Künstlers zu sehen.

Jerusalem of Above/ Jerusalem of Below

Öl auf Lein·wand, Glas, Holz
1990

Jerusalem of Above / Jerusalem of Below ist Englisch.
Übersetzt heißt es: Jerusalem von oben / Jerusalem von unten.

Dieses Kunst·werk besteht aus 2 Teilen.

Was ist mit „Jerusalem von oben“ gemeint?
Es geht um die himmlische Vorstellung der Stadt.

Was ist mit „Jerusalem von unten“ gemeint?
Es geht um die tatsächliche Stadt in Israel.

Joseph Sassoon Semah bringt diese beiden Teile zusammen.
Er stellt sie gegen·über.
Und er zeigt den Unterschied zwischen Wunsch und Wirklichkeit im Zusammen·leben in einer Stadt.

Die Quadrate erinnern an einfache Formen in der modernen Kunst.
Sie tragen aber Bedeutung und Geschichte in sich.
So verbinden sie „Jerusalem von oben“ und „Jerusalem von unten“.

Auf dem Foto sind zwei quadratische Holzbilderrahmen übereinander zu sehen. In dem oberen Rahmen hängt ein quadratisches Bild, das komplett schwarz ist. Das untere Bild ist komplett weiß.

Mona Yahia

Mona Yahia wurde 1954 in Bagdad geboren.
Bagdad ist die Haupt·stadt des Iraks.
1971 kam sie nach Israel.
Sie studierte in Israel und Kassel.

In ihrer Kunst beschäftigt sich Mona Yahia mit diesen Themen:

  • Erinnerung
  • Leben in einem anderen Land
  • Wie erinnert sich Deutschland an die Schoa?

Diese Themen behandelt Mona Yahia auf verschiedene Arten.
Als Künstlerin.
Und als Schriftstellerin.

Im Jahr 2000 hat Mona Yahia ein Buch geschrieben.
Es heißt: Durch Bagdad fließt ein dunkler Strom.
Das Buch wurde in mehrere Sprachen übersetzt.
Danach hat Mona Yahia noch mehr Bücher geschrieben.

Mona Yahia lebt und arbeitet in Köln.

Das ist das Kunstwerk von Mona Yahia:

Who by Water

Druck auf Acryl·glas
2024

Who by Water ist Englisch.
So spricht man es aus: Hu bei Woa·ter.
Übersetzt heißt es: Wer durch Wasser.

Dieses Kunstwerk beschäftigt sich mit der Geschichte des Iraqi Jewish Archive.
Dieses Archiv ist in Bagdad.
Also in der Haupt·stadt des Iraks.

Das Archiv heißt Iraqi Jewish Archive.
Also übersetzt: Irakisches Jüdisches Archiv.
Was für ein Archiv ist das?

2003 fanden amerikanische Soldaten und Soldatinnen viele alte Bücher, Dokumente und Fotos.
Das alles lag in einem überfluteten Keller.
Im Keller des irakischen Geheim·dienstes.

Die Funde wurden restauriert.
Das bedeutet: Die Schäden durch die Überschwemmung wurden repariert.
Und die Funde wurden digitalisiert.
Das bedeutet: Man kann die Bücher, Dokumente und Fotos jetzt auch am Computer nutzen.

Die Bücher, Dokumente und Fotos erzählen von jüdischem Leben im Iran.

Das war ein wichtiger Fund.
Mona Yahia verbindet den Fund mit einer persönlichen Erinnerung.
Ihre eigenen Schul·akten werden zu einer Art Kunst·werk.
Es sind Schul·akten aus den Jahren 1966 bis 1970.

16 Jahre hat Mona Yahia im Irak gelebt.
Danach musste ihre Familie das Land verlassen.

Das Kunst·werk besteht aus beschädigten persönlichen Dokumenten.
Es sind Spuren von Lebens·geschichten.

Zusammen bilden sie einen Raum der Erinnerung.
Die Arbeit fragt:

  • Was bleibt übrig von einer fast verschwundenen Kultur?
  • Können wir die Vergangenheit wieder zusammen·setzen?
  • Und wem gehören die Fund·stücke aus dem Archiv heute?

Sie sind heute für jeden im Internet abrufbar.

Auf dem Foto sieht man einen Ausschnitt der Ausstellung. An einer weißen Wand hängt mittig eine lange rechteckige Vitrine. Sie leuchtet, in ihr befinden sich mehrere DIN4 Seiten. Links und rechts vom Kunstwerk ist Wandtext zu sehen.

Wort·erklärungen

·

Dieses Zeichen nennt man Medio·punkt.
Er trennt lange Wörter.
Zum Beispiel so:
Zusammen·leben.
So kann man lange Wörter besser lesen.
Man liest die Wort·teile einzeln.
Man kann die Wörter so leichter lesen und verstehen.
Beim Lesen hört man den Medio·punkt nicht.

*

Dieses Zeichen ist das Gender·sternchen.
So wollen wir zeigen:
Wir wollen mit unseren Texten alle Menschen ansprechen.
Männer.
Frauen.
Und Menschen, die sagen:
Ich bin kein Mann und keine Frau.
Alle sind gemeint.
So benutzen wir das Gender·sternchen: Besitzer*innen.
Beim Lesen hört man das Gender·sternchen.
Man macht eine kleine Pause im Wort.
So: Besitzer [Pause] innen.

Antisemitismus / antisemitisch

Antisemitismus ist ein anderes Wort für Feindlichkeit gegen Juden und Jüdinnen.
Das kann zum Beispiel bedeuten:
Juden und Jüdinnen werden beschimpft und beleidigt.
Sie werden bedroht.
Es kann bedeuten:
Juden und Jüdinnen werden angegriffen, verschleppt und ermordet.
Sie erleben Gewalt.

Architektur

Architektur ist ein anderes Wort für Bau·kunst.
Es bedeutet:
Jemand plant und entwirft Gebäude.

Archiv

In einem Archiv werden Dinge gesammelt und aufgehoben.
Zum Beispiel Fotos oder alte Bücher.

Collage

Eine Collage ist ein Bild aus vielen Teilen.
Man fügt verschiedene Dinge zusammen.
Daraus entsteht ein neues Bild.

Installationen

Installationen sind Kunst·werke im Raum.
Es gibt ganz viele unterschiedliche Arten von Installationen.
Zum Ansehen.
Zum Anhören.
Oder zum Anfassen.

Kairoer Geniza

Die Kairoer Geniza ist eine berühmte Sammlung alter Texte.
Ein Archiv.
Über viele hundert Jahre haben Menschen dort Schriften gesammelt.
Zum Beispiel religiöse Texte, Briefe oder Notizen aus dem Alltag.

Kalender (gregorianisch)

Die meisten Menschen in Deutschland benutzen den Gregorianischen Kalender.
Der Kalender richtet sich nach der Sonne.
Er hat 12 Monate lang.
Von Januar bis Dezember.
Im Gregorianischen Kalender haben wir jetzt gerade das Jahr 2026.

Kalender (jüdisch)

Der Jüdische Kalender richtet sich nach dem Mond und der Sonne.
Er hat 12 oder 13 Monate.
Im jüdischen Kalender haben wir jetzt gerade das Jahr 5786.

Klang·installationen

Bei Klang·installationen stehen Töne und Klänge im Mittel·punkt der Kunst.
Es geht um Klang im Raum.

Konzentrations·lager

In der Zeit des National·sozialismus gab es mehrere Konzentrations·lager.
In Deutschland und in anderen Ländern in Europa.
In dieser Zeit wurden viele Menschen von den Nazis verfolgt und eingesperrt.
Zum Beispiel diese Menschen:
Juden und Jüdinnen
Menschen mit einer anderen politischen Meinung
Und viele andere Menschen.

Viele Menschen sind in den Konzentrations·lagern gestorben.
Sie hatten dort ein schweres Leben.
Sie mussten hart arbeiten.
Sie bekamen nur wenig Essen.
Sie haben Gewalt erlebt.
Und viele von ihnen wurden dort ermordet.

Migration

Migration bedeutet:
Menschen verlassen ihre Heimat.
Sie leben an einem anderen Ort.
Nicht nur für eine kurze Zeit.
Sondern auf Dauer.

Moschee

In einer Moschee werden muslimische Gottes·dienste gefeiert.
So wie Gottes·dienste in einer Kirche oder in einer Synagoge.
In einer Moschee treffen sich muslimische Menschen zum Beten und zum Feiern.

Orient

Orient heißt übersetzt: auf·gehende Sonne.
Darum wurde der Orient früher auch Morgen·land genannt.
Früher meinten Menschen in Europa damit vor allem diese Gebiete:

  • Länder wie Israel, Jordanien oder Saudi-Arabien
  • Teile von Nordafrika wie Marokko oder Ägypten
  • manchmal auch Teile von Asien

Heute nutzt man das Wort nicht mehr.
Es ist ein Zeichen für die Vorurteile von Europa gegenüber diesen Ländern.

Performance

Performanceist Englisch.
So spricht man das Wort aus: Pör·for·menns.

Eine Performance ist Aktions·kunst.
Man kann auch sagen:
Es ist eine Aufführung.
Es wird etwas gezeigt.
Auf einer Bühne.
In einem Museum.
Im Freien.
Performances gibt es an vielen verschiedenen Orten.

Bei einer Performance geht es um eine Beziehung zwischen Raum und Zeit.
Und zwischen Künstler*in und den Zuschauer*innen.

Rabbiner*in

Ein Rabbiner ist ein Priester in einer jüdischen Gemeinde.
Er leitet in der Gemeinde jüdische Gottes·dienste.
Er liest aus der Tora.
Also aus der wichtigsten Schrift des jüdischen Glaubens.
Und er ist Lehrer für jüdische Gesetze und Bräuche.

Schoa

Die Schoa war ein Völker·mord.
Die National·sozialisten haben ganz genau geplant:
Wie können sie verschiedene Volks·gruppen in Europa ermorden?
Solche Volks·gruppen waren zum Beispiel:
Juden und Jüdinnen.
Oder Sinti und Roma.

Für den National-Sozialismus waren alle diese Menschen nicht wertvoll.
Der National-Sozialismus war eine politische Richtung unter Adolf Hitler.
In den Jahren 1933 bis 1945.

Selbst·porträt

Ein Portrait zeigt immer einen Menschen.
Ein Portrait kann ein Foto sein.
Oder ein Gemälde.
Oder eine Zeichnung.
Und Selbst·porträt bedeutet:
Die Person hat sich selbst fotografiert oder gemalt.

Sephardisch

Sephardische Juden und Jüdinnen bedeutet:
Ihre Vorfahren lebten vor langer Zeit in Spanien und Portugal.
Im Mittel·alter wurden sie vertrieben. 
Sie flohen in das Osmanische Reich.
Also nach Nord·afrika und in andere Länder.

Sinti und Roma

Sinti und Roma ist der Name für eine Gruppe von Menschen.
Ihre Vorfahren kommen aus Indien.
Sie leben schon seit 600 Jahren in Deutschland und Europa.
Sie haben ihre eigene Sprache: Romanes.
Sinti und Roma sind Worte aus dieser Sprache.
Ihre Kultur und Tradition sind ihnen wichtig.
Zum Beispiel:

  • ihre Musik
  • ihr Hand·werk und
  • das Erzählen von Geschichten.

Die National·sozialisten haben Sinti und Roma verfolgt. Und ermordet.
Nach 1945 sprach keiner über den Völker·mord der Sinti und Roma.
Das hat sich geändert.
Es ist wichtig, dass Menschen sich daran erinnern.

Skulptur

Eine Skulptur ist eine Figur aus einem festen Material.
Zum Beispiel aus Holz, Ton oder Metall.
Eine Skulptur ist nicht flach.
Man kann sie von allen Seiten ansehen.

Synagoge

In einer Synagoge werden Gottes·dienste gefeiert.
So wie Gottes·dienste in einer Kirche oder in einer Moschee.
In einer Synagoge treffen sich jüdische Menschen zum Beten und zum Feiern.
So spricht man das Wort aus: Sü·na·go·ge.

Talis·mann

Ein Talis·mann ist ein Glücks·bringer.
Menschen haben einen solchen Talis·mann im Alltag dabei.
Damit sie Glück haben und geschützt sind.
In der jüdischen und der muslimischen Kultur gibt es verschiedene Glücks·bringer.

Tradition

Tradition bedeutet:
Etwas wird schon seit langer Zeit auf die·selbe Art gemacht.
Zum Beispiel:
Ein Fest wird auf eine bestimmte Art gefeiert.
Oder:
Eine bestimmte Regel wird im Alltag eingehalten.
Viele Tradition haben mit Religion zu tun.
Sie werden in der Familie weiter·gegeben.

WANA-Region

WANA ist eine Abkürzung.
Sie steht für: West Asia and North Africa.
Also auf Deutsch: West·asien und Nord·afrika.
In West·asien liegen zum Beispiel diese Länder:
Irak, Israel, Jordanien, Saudi-Arabien.
In Nord·afrika liegen zum Beispiel diese Länder:
Ägypten, Marokko, Tunesien.
Mit WANA-Region ist also eine Gegend gemeint.
Aber auch die Politik und die Kultur in diesem Gebiet.